07.05.2018

Interview mit Banda Internationale: Gewinner 2017

Unsere Gewinner aus dem letzten Jahr, Banda Internationale, haben mit uns über ihre Arbeit nach der Auszeichnung und die Pflichten in einer Solidargemeinschaft gesprochen.

Wie geht es für Euch nun weiter? Welche neuen Projekte stehen an? 

Für uns geht es nach einem etwas überraschenden, aber letztendlich positiven Trägerwechsel weiter mit unserer Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Neben dem Preisgeld von The Power of the Arts haben wir kürzlich auch eine Förderzusage des Freistaates Sachsen bekommen, sodass wir in den kommenden zwei Jahren über 40 Workshops, ein dutzend Konzerte der Banda Internationale an Schulen und Jugendzentren und wöchentliche Proben mit unserer Band mit unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten sowie Instrumentenunterricht für fast 20 Kinder jede Woche realisieren können.

Übergeordnetes Projektziel ist es nach wie vor, die Integration und gleichberechtigte Teilhabe von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund in und am gesellschaftlichen Leben in Sachsen zu verbessern. Es geht uns grundsätzlich darum, Bildung und Teilhabe als positive Kategorien des Zusammenlebens und unserer Gesellschaft zu vermitteln und aktiv im echten Leben erfahrbar zu machen. Segregation und Separation müssen als Prozess kenntlich gemacht werden, der in einer Solidargemeinschaft fehl am Platz ist.

Integration betrachten wir dabei als einen gesamtgesellschaftlichen Prozess, der sowohl Personen mit Migrationshintergrund als auch die Mehrheitsgesellschaft zu einer aktiven und gemeinsamen Ausgestaltung auffordern muss. Entsprechend ist es ein weiteres Ziel unseres für die nächsten zwei Jahre angelegten Projektes „House of Music“, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen jungen Menschen in der sächsischen Gesellschaft zu stärken. Hier fließt der Förderpreis des The Power of the Arts vollumfänglich ein.

Welchen Wunsch konntet Ihr Euch durch die Auszeichnung erfüllen? Wie hat sich Euer Projekt dadurch verändert? 

Die Auszeichnung durch The Power of the Arts hat uns nicht nur in der Absicht bestärkt, uns im Bereich der interkulturellen und pädagogischen Bildungsarbeit zu engagieren, uns unabhängiger von institutioneller und staatlicher Förderung gemacht, sondern gewiss auch diejenigen, von denen wir Unterstützung erwarten, darin bestärkt, uns weiterhin zu fördern.

Welcher andere Teilnehmer hat Euch am meisten beeindruckt?

Das können wir nicht so einfach beantworten. Wir haben den Abend vor allem mit den TeilnehmerInnen des Projektes label m verbracht, Adressen ausgetauscht und uns eigentlich vorgenommen, uns gegenseitig zu besuchen. Dazu ist es noch nicht gekommen, aber wir sind zuversichtlich, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Das Projekt Un-Label hat uns durch die inklusive Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit tief beeindruckt, zumal einige von uns ebenfalls täglichen Umgang mit Inklusion im Beruf haben. Eine künstlerische Nähe zur *foundationClass konnten wir ebenfalls spüren und der Gedanke, zuerst auf die inneren Werte des Menschen zu achten, als auf Herkunft oder gar körperliche Beeinträchtigung verbindet alle nominierten Projekte wohl am besten.

Warum habt Ihr Euch bei TPOTA beworben? Wieso würdet Ihr anderen Initiativen empfehlen, sich zu bewerben?

Wir bewerben uns manchmal um Preise und das aus einem ziemlich simplen Grund:

Die aktuelle Berichterstattung ist leider allzu oft von deprimierenden, negativen Bildern und Hass dominiert. Dies könnte der Neuen Rechte die Chance geben, wieder genügend Oberwasser in Deutschland zu gewinnen, um den bisherigen, grundsätzlichen zivilgesellschaftlichen Konsens ins Wanken zu bringen. Das dürfen wir nicht zulassen und müssen nicht nur widersprechen, sondern eigene Bilder, unsere eigene Überzeugung und unsere eigenen Geschichten auf den Tisch legen. Eine gesellschaftliche Würdigung ist auch ein Zurechtrücken und Abstecken moralischer Eckpfeiler – ohne hier überheblich wirken zu wollen – der Spot auf positive Geschichten von Migration, von positivem Energie geladenen Miteinander kann nur im Sinn aller Demokraten sein. Dahingehend müssen wir leider manche Bilder zurückerobern.