06.07.2018

Interview mit Jurymitglied Samy Deluxe

Der Rapper spricht mit uns über seinen eigenen Weg, sein soziales Engagement und seiner Idee von einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Was hat Dich dazu bewogen Teil der Jury zu werden?  

Seit 15 Jahren bin ich mit meinem eigenen Verein und in verschiedenen Institutionen im Bereich der Jugend- und Talentförderung sehr aktiv. Ich habe selber ein kleines Studio und ein eigenes Label, wo ich vielen Leuten Platz gebe, sich zu entwickeln und zu wachsen. Als die Anfrage von The Power of the Arts kam, hat das einfach gepasst. Die Preisgelder sind so hoch, dass es den Projekten möglich ist, große Schritte zu gehen.

The Power of the Arts setzt sich für die Schaffung eines neuen Wir ein – wie stellst Du dir dieses „Wir“ vor?

Durch die Vernetzung der Welt – gerade, wenn ich an Künstler denke – ist der Radius in dem wir uns bewegen viel größer geworden. Früher musstest du als Musiker raus und dich irgendwie auf irgendwelche Bühnen kämpfen. Heutzutage kannst du einfach ein Video auf YouTube packen und zum Weltstar werden. Durch Instagram hat jeder plötzlich seine eigene Galerie. Das ist eine krasse Zeit in der wir leben. Informationen sind für jeden von überall umsonst zugänglich. Das schafft einen guten Nährboden, um aus Fehlern der vergangenen Generationen zu lernen und als heutige Generation zu wachsen.

Warum müssen wir uns als Gesellschaft gerade jetzt für ein neues Wir engagieren?

Der Zeitpunkt spielt keine Rolle: Engagement ist immer wichtig. Jeder Konzern und jede Einzelperson kann natürlich behaupten, dass es nichts mit einem zu tun hat. Aber man kann seine Kapazitäten oder seine Macht auch nutzen, um etwas in der Welt zu bewegen und selbstlos Dinge zu unterstützen, die man gut findet.

Natürlich wird einem durch das letzte Wahlergebnis das Gefühl vermittelt, dass rechte Politik derzeit die Überhand gewinnt. Wenn man aber, wie ich, mit dunkler Hautfarbe und einem realistischen Blick auf die Welt aufgewachsen ist, hat man nicht das Gefühl, dass der Rassismus mehr oder weniger geworden ist.

Ich bin für ein gemeinsames Wir, gleichzeitig aber kein Verfechter von positiv ausgeschmückten Slogans. Das sind eben nur Worte auf Papier. Jeder ist anders sozialisiert. Ich finde es wichtig, wenn man diese Worte, die eben nur Phrasen sein können, mit Inhalten füllt und dann wirklich etwas passiert. In meinen Texten versuche ich ein größeres Bild zu malen und mehr Emotionen reinzubringen – die Geschichte zu den Statements zu erzählen.

Warum sind die Künste für die Schaffung von Teilhabemöglichkeiten in der Gesellschaft so wichtig?

Die Künste sind die Botschafter der Welt. Kultur definiert die einzelnen Teile dieser Welt und schwappt an andere Orte über. Heutzutage ist es für deutsche weiße Jungs selbstverständlich schwarze Vorbilder zu haben. Das war in meiner Jugend noch nicht so. Außerdem gibt es immer mehr Diversität. In diesem Jahr gab es den ersten richtig großen Hollywood Blockbuster mit einem schwarzen Superhelden: Black Panther. Das sind alles Schritte, die Minderheiten fördern und eine Normalität entstehen lassen. Schritt für Schritt sind da diese ganzen unterschiedlichen Gruppen in verschiedenen Gesellschaftsinstanzen, die ihre Stimme erheben. Wenn du keine Stimme hast, kannst du nichts erreichen. Die Künste sind Vorreiter dafür, wie sich die Welt entwickelt.

Du hast ja bereits eingangs erwähnt, dass du dich vielfältig engagierst. Was liegt Dir besonders am Herzen?

Ich möchte der Jugend über Hip-Hop den Zugang zu Werten vermitteln, die mich geprägt haben. Dass man durch Kreativität und durch Leidenschaft Erfolgserlebnisse schaffen kann. Außerdem ist das Gemeinschaftsgefühl für mich ganz wichtig: seit ich Hip-Hop als Jugendlicher kennengelernt habe, hat sich mein Radius total vergrößert. Vorher kannte ich nur meine Schulfreunde und auf einmal kannte ich Leute in jedem Viertel in der Stadt. Dann bin ich auf Hip-Hop-Jams gefahren und es hat sich ein Netzwerk gebildet. Ich würde gerne mehr jungen Leuten die Möglichkeit geben, dass sie diese Kraft in sich sehen.